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24.10.2017

Resolution Stromtrassen P43 / P44



Resolution:
„Keine weiteren Stromtrassen mit
Endpunkt in Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld"

Wir lehnen die Wechselstromleitung P43 ebenso wie die Wechselstromleitung P44 in den ursprünglichen Varianten mit Endpunkten in Bergrheinfeld bzw. Grafenrheinfeld ab. Darüber hinaus stellen wir den Bedarf für die Leitungen P43 und P44 und ihrer jeweiligen alternativen Varianten in Frage und fordern eine eingehende Prüfung, ob diese Maßnahmen überhaupt notwendig sind.


Die Ablehnung der ursprünglichen Varianten von P43 und P44 mit Endpunkten in Bergrheinfeld bzw. Grafenrheinfeld ist aus folgenden Gründen gerechtfertigt:

  • Beim Netzausbau muss eine faire Lastenverteilung zwischen den einzelnen Bundesländern und Regionen erreicht werden. Es kann nicht sein, dass eine einzelne Region die Last zu einem großen Teil alleine schultert.

  • Bereits jetzt treffen am Netzknoten Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld zahlreiche Leitungen aus allen Richtungen aufeinander, u.a. 380-kV-Leitung Aschaffenburg-Bergrheinfeld, 380-kV-Leitung Rittershausen-Grafenrheinfeld, 380/220/110-kV-Leitung Raitersaich-Bergrheinfeld, 380/220/110-kV-Leitung Bergrheinfeld-Grafenrheinfeld-Würgau, 380/220/110-kV-Leitung KKW Grafenrheinfeld-Bergrheinfeld-Schweinfurt.

  • Folglich durchqueren alleine rund 150 Strommasten aller Spannungsebenen das Gebiet der dem Netzverknüpfungspunkt Grafenrheinfeld benachbarten Gemeinde Bergrheinfeld. Hinzu kommen zwei Umspannwerke mit einem Flächenverbrauch von rund 31 Hektar und der Endpunkt der Gleichstromleitung SuedLink von Wilster nach Bergrheinfeld mit einer großen Konverterhalle sowie einer zusätzlichen Anbindungsleitung. Durch den Bau von P43 und P44 würde sich die Anzahl der Strommasten nochmals massiv erhöhen. Dies ist für die Menschen in der Region, die bereits jetzt große Lasten tragen, nicht mehr zumutbar. Hierfür gibt es seitens der Bevölkerung keinerlei Akzeptanz.

  • Würden alle Maßnahmen - wie von den Übertragungsnetzbetreibern im Entwurf des Netzentwicklungsplans 2014 vorgeschlagen - umgesetzt, wäre nach Aussage der Bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner rund ein Viertel der gesamten Stromlast Deutschlands am Netzknoten Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld gebündelt. Dies ist aus Gründen der Versorgungssicherheit abzulehnen. Deshalb dürfen die Maßnahmen P43 und P44 nicht am Netzknoten Grafenrheinfeld bzw. Bergrheinfeld enden. Das betrifft auch Alternativplanungen, wie z.B. die Maßnahme AL1 M420 in der Bedarfsplanung 2017-2030 der Bundesnetzagentur.

  • Die energiepolitische Vereinbarung vom 1. Juli 2015 gilt nach wie vor und ist unmissverständlich. Darin heißt es, dass die Bundesnetzagentur die Übertragungsnetzbetreiber auffordert, Alternativen zu entwickeln, damit die beiden als Neubau geplanten Drehstrommaßnahmen Mecklar-Grafenrheinfeld und Altenfeld-Grafenrheinfeld entfallen können und stattdessen in Bestandstrassen mitgeführt und neue Endpunkte möglich werden, damit eine Entlastung der Region um Grafenrheinfeld erreicht wird.
  • Nach Meinung der Bundesnetzagentur liegen nun mehrere nahezu gleichwertige Alternativen für P43 und P44 vor, die netztechnisch realisierbar sind. Im Vergleich der prozentualen Verbesserungen bei den Überlastungsindizes zeigt sich, dass die Kombinationen P43mod/P44mod, P43mod/P44mod Variante2 sowie P43mod/P44mod Variante2+ nach Angaben der Bundesnetzagentur die größten Verbesserungen gegenüber der Basisvariante P43/P44 aufweisen. Bei Realisierung der Alternative P43mod könnte sogar auf die zusätzliche Wechselstromleitung P161 zwischen Großkrotzenburg und Urberach verzichtet werden.

  • Beim Bau von P43 und P44 in der ursprünglichen Variante ist ein Neubau in neuer Trasse erforderlich, was bedeutet, dass neue Schneisen quer durch die Landschaft geschlagen werden. Auch umweltfachlich würden die ursprünglichen Varianten in erheblichem Maß in schützenswerte und unberührte Kultur- und Erholungslandschaften in den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge eingreifen. Allein wirtschaftliche Gründe dürfen beim Netzausbau nicht entscheidend sein. Bei P43mod und P44mod sowie den weiteren Alternativen soll jedoch bestehenden Trassenverläufen gefolgt werden. Im Sinne einer nachhaltigen Raumordnung würde mit den Alternativen eine zusätzliche Rauminanspruchnahme in bisher unberührten Gebieten vermieden werden. Deshalb würden die Belastungen für die Schutzgüter Mensch, Natur und Landschaftsbild geringer ausfallen.

Wir stehen zur Energiewende, aber unsere Region leistet mit den bereits bestehenden Leitungen mit Endpunkten in Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld sowie der geplanten Gleichstromleitung SuedLink bereits einen erheblichen Beitrag zum Netzausbau.

Wir drängen auf eine punktgenaue Einhaltung der Vereinbarung vom Juli 2015 und fordern weiterhin eine Entlastung der Region um Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld. Bei dieser Forderung wissen wir auch die Bayerische Staatsregierung an unserer Seite.

Bergrheinfeld, 10.10.2017

Die Resolution der Stromtrassen P43 / P44 finden Sie hier.